Viele Strom-Angebote sind laut Kritikern gar nicht so sauber

08.11.2018
Das Umetikettieren ist immer noch möglich
<br /> - Quelle: APA (Symbolbild/dpa)Das Umetikettieren ist immer noch möglich
- Quelle: APA (Symbolbild/dpa)

Von den heimischen Stromangeboten sind die wenigsten so sauber wie behauptet, sagen die Umweltorganisationen Global 2000 und WWF Österreich. Mit einem Anteil 36 Prozent werde mehr als ein Drittel des in Österreich verkauften Stroms mit zugekauften Nachweisen "umetikettiert" und "grün gewaschen", kritisierten sie am Donnerstag.

Das Umetikettieren mache es etwa möglich, Kohlestrom einzukaufen und diesen beispielsweise mit einem Wasserkraft-Nachweis als Grünstrom zu deklarieren, erklärte der Autor einer Studie dazu, der Energieexperte Thomas Steffl. Der Verkauf von Strom unbekannter Herkunft sei zwar seit 2015 verboten, dennoch könnten vollkommen legal Strom und Nachweise getrennt voneinander gehandelt werden. Aus Kundensicht sei eine Rückverfolgung kaum möglich.

Noch immer würden 24 Prozent der heimischen Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern stammen, so Hanna Simons, Leiterin Naturschutz beim WWF Österreich. Darüber hinaus sei die große Mehrheit der sogenannten Grünstromanbieter "nicht so sauber, wie sie gerne vorgeben", lautet ihr Vorwurf. Privathaushalte hätten ein Recht darauf zu erfahren, wo ihr Strom wirklich herkommt.

Die gute Nachricht für Stromkunden sei: Es gebe naturverträgliche, saubere Vorreiter und den Anbietern in Österreich - die schlechte: Leider würden zu viele noch hinterherhinken oder auf fossile Quellen setzen, meinte Global-2000-Energiesprecher Reinhard Uhrig. Freilich bescheinigt auch er dem heimischen Stromkennzeichnungssystem, es sei, obwohl verbesserungswürdig, das beste in Europa - und er bedankt sich bei den Versorgern für die Teilnahme an der Online-Befragung. Von den 158 für Haushalte relevanten haben sich 31 beteiligt. Bis auf zwei hätten alle Landes-EVU teilgenommen, so Steffl. Ziel sei es gewesen, "blinde Flecken" der Stromherkunft besser zu beleuchten. Woher der Strom beim einzelnen Kunden aber tatsächlich komme, lasse sich physikalisch ohnedies nicht korrekt sagen, meinte der Studienautor.

Besonders stoßen sich Global 2000, WWF und der Studienautor an der noch verbliebenen Kohleverstromung in Österreich. Konkret betrifft das eine der Verbund-Anlagen im steirischen Mellach und den EVN-Block in Dürnrohr in Niederösterreich. Für Mellach gibt es schon einen Zeitplan für den Ausstieg. Die Kohleverstromung werde noch diese Heizperiode laufen und voraussichtlich im Mai vom Netz gehen, meinte Uhrig. Der EVN-Block solle dagegen noch bis 2025 laufen, je nach technischem Zustand, kritisierte der Global-2000-Energiesprecher: "Unserer Meinung müsste der Einsatz wegen der Klimaziele aber schon im Jahr 2020 enden", meinte er im Pressegespräch. Der Block wäre auch mit Gas zu befeuern, mit Kohle sei es aber profitabler, so Uhrig. Die EVN wollte sich auf Anfrage dazu aktuell nicht äußern.

Nur zwei der 31 näher untersuchten Stromanbieter erreichten die Top-Bewertung "Treiber der Stromzukunft" - nämlich W.E.B und AAE, sie stellen aber nur 0,2 Prozent des Strommarkts. Gerade Anbieter, die mehrheitlich oder gänzlich in öffentlicher Hand seien, stünden in der Pflicht, ihr Engagement für eine nachhaltige Energiewende zu verstärken, sagen Global 2000 und WWF. So rangieren in ihrer Wertung etwa Verbund, Wien Energie, Energie Steiermark und Tiwag im untersten Drittel, unter den "Stromanbietern mit großen Herausforderungen" mit 39 Prozent Marktanteil. Als Schlusslichter ("Fossile Nachzügler") machen die Umweltorganisationen die ENAMO aus OÖ, die EVN und die EnergieAllianz aus, die es zusammen allerdings auf 28 Prozent Anteil am Strommarkt bringen. Auch die Politik müsse handeln und endlich umweltschädliche Subventionen in fossile Technologien stoppen, fordern die NGO's. Auch für verbundene Unternehmen sollte es eine Pflicht zur Kennzeichnung des Stroms geben, oft würden sich Atomstromkonzerne mit Tochter- oder Enkelunternehmen im Grünstrombereich betätigen, so Uhrig: "Und die Landes-EVU sollten rasch von Atombeteiligungen befreit werden."

Laut Energieregulator E-Control sind 2017 in der österreichischen Stromversorgung zu 83,7 Prozent Nachweise erneuerbarer Energien eingesetzt worden, bezogen auf die Gesamtabgabemenge von 68,97 Terawattstunden (TWh). Der Wert war kleiner als 2016 (86,7 Prozent), da wegen eines geringeren Wasserkraftangebots Lieferanten auf fossile Alternativen ausgewichen sind. Zu 16,1 Prozent wurden 2017 Nachweise für Erdgas, Kohle und Erdöl eingesetzt, nach 12,9 Prozent 2016, erklärte die E-Control Anfang Oktober. Erneut gab es mehr Nachweise aus Österreich, ihr Anteil stieg laut Regulierungsbehörde von 70 auf knapp 74 Prozent. Größter ausländischer Lieferant blieb - mit seinem hohen Wasserkrafterzeugungsangebot - Norwegen mit etwas über 14 Prozent.

Quelle: APA