Trotz Corona: Sorge um Klimakrise bei Unternehmen gestiegen

15.09.2020
In Großstädten wird Smog zusehends problematischer
<br /> - Quelle: APA7AFPIn Großstädten wird Smog zusehends problematischer
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Die Klimakrise hat bei den heimischen Unternehmen trotz Covid-19 überraschend an Bedeutung gewonnen. Mit Blick auf das wirtschaftliche Umfeld halten sich Zuversicht und Sorge die Waage, geht aus einer aktuellen Studie von Deloitte und SORA hervor. Unternehmen seien bereit für nachhaltige Veränderungen, sagte SORA-Geschäftsführer Christoph Hofinger am Dienstag zur Präsentation der Studie.

Trotz Corona-Krise ist der Klimawandel für 68 Prozent der heimischen Führungskräfte ein Sorgenkind - das sind 16 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Das sei überraschend, denn in früheren Krisen seien "Öko-Themen" vom Tisch verschwunden, sagte Hofinger. "Zuerst die Wirtschaft von früher wiederaufzubauen und erst dann die Ökologisierung in Angriff zu nehmen, ist zumindest aus Sicht der Unternehmen nur ein Minderheitenprogramm", heißt es in der Studie.

Wobei die Sorge um die Klimakrise ambivalent zu sehen sei, sagte Karin Mair, Partnerin bei Deloitte Österreich. Zum einen gehe es dabei um die Folgen des Klimawandels auf Gesellschaft und Umwelt, zum anderen aber auch um die Auswirkungen der politischen Klima-Maßnahmen auf den eigenen Betrieb. Bei betriebswirtschaftlichen Entscheidungen setzen Unternehmen jedenfalls verstärkt auf Nachhaltigkeit und Stabilität, "dafür rücken Expansion und Risiko in den Hintergrund", so Mair.

Für die Analyse wurden 614 Führungskräfte aus repräsentativ ausgewählten österreichischen Unternehmen ab 50 Mitarbeitern im Juli 2020 befragt. Was den "eigenen Garten" betrifft, sind 68 Prozent der Führungskräfte und 62 Prozent der Belegschaft trotz der Pandemie positiv gestimmt, so Hofinger. Bei Kundenbetrieben und der Branche sehen die Befragten schon mehr Wolken, die Sorge um die Marktentwicklung nimmt zu.

Waren im Vorjahr nur 24 Prozent über die Umsatz- und Gewinnentwicklung besorgt, sind es heuer 52 Prozent. Dennoch sehen 57 Prozent die generelle Entwicklung des eigenen Betriebes eher positiv, wobei es zwischen den Branchen große Unterschiede gibt. In den Unternehmen herrsche große Besorgnis gepaart mit der Kampfbereitschaft, das zu schaffen, fasste Mair zusammen. Trotzdem werde es in den kommenden Monaten deutlich mehr Insolvenzen geben, meinte Deloitte-Österreich-Chef Bernhard Gröhs. "Die dürfen nicht aufgeschoben werden."

Hinsichtlich des internationalen Umfelds bereiten den Unternehmen besonders die sozialen Folgen der COVID-19-Krise (75 Prozent) und die mittelfristige Konjunkturschwäche (70 Prozent) Kopfzerbrechen. "Die Unternehmen wissen, dass Wirtschaften schwierig wird, wenn Gesellschaften Risse bekommen und auseinanderbrechen", sagte Hofinger. Diese Entwicklungen beschäftigen die Befragten nicht nur mit Blick auf Österreich sondern auch international, so Mair.

Auch wenn viele Unternehmen jetzt ums Überleben kämpfen, habe Covid-19 durchaus heilsame Effekte und zu einer Neuorientierung sowie einem Umdenken in der Wirtschaft geführt, so Gröhs. Es sei klar, dass man von einer Gesundheitskrise nicht in eine Sozial- und Umweltkrise schlittern darf. Auch Hofinger rechnet mit langfristigen Änderungen im Wirtschaftsleben. "Ich sehe kein Bedürfnis nach Retro."

Dafür brauche es allerdings die passenden Rahmenbedingungen, meinte Gröhs. Unternehmen wünschen sich vor allem eine Senkung der Lohnnebenkosten (95 Prozent), eine steuerliche Entlastung nicht entnommener Gewinne (92 Prozent) sowie Vereinfachungen bei Förderungen (90 Prozent). Dafür würden sie im Gegenzug andere Abgaben akzeptieren. Werden etwa die Lohnnebenkosten gesenkt, könnten sich die Unternehmen gleichzeitig höhere Steuern auf fossile Energie (63 Prozent), eine Erhöhung der Kommunalsteuern (60 Prozent) oder höhere Steuern auf Wertschöpfung (60 Prozent) vorstellen. Investitionsförderungen seien vor allem für die Qualifizierung von Mitarbeitern, Digitalisierung, Anschaffung von Anlagen sowie die Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen notwendig.

Andere langfristige Themen sind Flexibilität sowie gesundheitsfördernde Maßnahmen, etwa damit Mitarbeiter nicht den ganzen Tag vorm PC sitzen. Auch Home Office, Online-Meetings und mehr Selbstverantwortung werden nach der Corona-Krise bleiben, geht aus der Analyse hervor. Es brauche allerdings klare, leicht umsetzbare Regeln für das Home Office und eine andere Gestaltung von Arbeitstagen, so Mair. Auch, weil viele Mitarbeiter zu Hause deutlich mehr arbeiten. Puncto Verschmelzung von Arbeit und Freizeit seien Unternehmen zuversichtlich, diese Herausforderung zu meistern. Das wird für Führungskräfte noch eine Herausforderung, meinte Hofinger.

Quelle: APA