Libyen will Ölexporte nach Kämpfen wieder aufnehmen

11.07.2018

Libyen will seine Ölexporte über die Häfen im Osten wieder aufnehmen, nachdem der Export im vergangenen Monat aufgrund heftiger Kämpfe gestoppt worden war. Das staatliche Ölunternehmen NOC hat am Mittwoch nach eigenen Angaben die Häfen in Ras Lanuf, Al-Sidr, Zuwaytinah und Hariga übernommen. Die Produktion und der Export würden wieder auf normales Niveau hochgefahren.

Nachdem die wichtigsten Ölterminals die letzten zwei Wochen lahmgelegt waren - der libysche Ölexport sank in diesem Zeitraum von 1,3 Millionen Barrel täglich auf nur noch 550.000 - übergab General Haftar die Kontrolle nun abermals an Tripolis zurück, wie die international anerkannte NOC heute Morgen bekannt gab.

Im vergangenen Monat war es zu mehreren Angriffen auf die Öl-Terminals im Sirte-Becken gekommen, die seit 2016 von der Nationalen Libyschen Armee (LNA) unter General Khalifa Haftar kontrolliert werden - und unter dessen Duldung von der Nationalen Ölgesellschaft (NOC) in Tripolis betrieben werden. Zunächst eroberten im Juni die Benghazi-Verteidigungsbrigaden (BDB) die Ölhäfen Ras Lanuf und Al-Sidr. Nach zwischenzeitlicher Rückeroberung durch Haftars Truppen kam es zu einem erneuten Verlust der Terminals - diesmal an die seit dem Sturz Gaddafis selbstständigen Petroleum Facilities Guards (PFG), die unter dem Kommando Ibrahim Jadhrans stehen. Doch auch dieser Angriff konnte von Haftar, der formell der sogenannten Gegenregierung in Tobruk untersteht, binnen weniger Tage zurückgeschlagen werden.

In der Folge erklärte Haftar jedoch, den Betrieb der Öl-Infrastruktur in seinem Machtbereich der Gegenregierung, respektive einer "parallelen" Nationalen Ölgesellschaft mit Sitz im Osten des Landes zu übertragen. Dieser Schritt wurde insbesondere von den USA und der EU heftig kritisiert - mit Verweis auf mehrere UNO-Resolutionen, die den Handel und Export von libyschem Öl ausschließlich der Nationalen Einheitsregierung in Tripolis einräumt. Auch wurde bezweifelt, ob die "parallele NOC" überhaupt imstande sei, den Betrieb der größten Öl-Häfen des Landes in so kurzer Zeit zu übernehmen.

Vielmehr könnte Haftar den Schritt als Druckmittel gegenüber Tripolis gesetzt haben, um höhere Anteile aus den Öl-Einnahmen für den Osten des Landes herauszuschlagen. So kommt ihm auch der NOC-Vorsitzende Mustafa Sanalla in seiner Stellungnahme Mittwochfrüh entgegen: "Wir brauchen eine wirkliche nationale Debatte über die gerechte Verteilung der Öleinnahmen. (...) Die wirkliche Lösung ist die Transparenz". Auch der Präsident der Nationalen Einheitsregierung, Fayez al-Sarraj, zeigt sich entgegenkommend. Er appellierte Dienstagabend an den UNO-Sicherheitsrat, eine unabhängige internationale Kommission zu bilden, die Einnahmen und Ausgaben der Behörden sowohl aus dem Osten als auch aus dem Westen prüft.

Libyen ist seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 ein zersplittertes Land. Unzählige bewaffnete Gruppen und mehrere Regierungen kämpfen um die Macht. Das Land ist wirtschaftlich auf die Ölexporte angewiesen. Lieferausfälle unter anderem in Libyen sind nach Angaben von Marktbeobachtern auch für einen Anstieg des Ölpreises verantwortlich.

Quelle: APA/dpa